Badische Zeitung investiert in innovative Podcast-Formate mit KI-Stimmen

Die Badische Zeitung hat seit Oktober 2022 mit dem Podcast „200 Sekunden Baden“ eine neue Art der regionalen Nachrichtenberichterstattung eingeführt. Täglich am Morgen präsentiert der Podcast in 200 Sekunden aktuelle Neuigkeiten aus der Region, gesprochen von KI-Stimmen. Das Ziel war es, einen knappen und informativen Überblick zu bieten und gleichzeitig den Aufwand für die Redaktion zu testen.
Die Auswahl und Umformulierung der Nachrichten werden dabei weiterhin von menschlichen Mitarbeitenden übernommen, während KI-Stimmen die Texte vertonen. Trotz einiger Herausforderungen, wie Aussprachefehlern bei Eigennamen, erzielt das Format monatlich rund 15.000 Plays.
Parallel dazu wurde der Podcast „BZ am Ohr“ als Kontrast zu „200 Sekunden Baden“ entwickelt. Dieser bietet ein breiteres Spektrum an Themen und Expertise aus der Region und erscheint einmal pro Woche als halbstündiges Gesprächsformat. Mit rund 1.500 Plays pro Folge hat sich das Format seit seinem Start im April 2023 etabliert und gewann direkt im Gründungsjahr den European Newspaper Award.
Die Badische Zeitung plant, ihre Podcast-Formate weiter auszubauen und neue Zielgruppen anzusprechen. Zudem sollen Schulungen für Mitarbeitende und die Weiterentwicklung der KI-Stimmen vorangetrieben werden. Trotz der Vorteile von KI im Audiobereich betont die verantwortliche Audio-Redakteurin Lisa Böttinger die Bedeutung menschlicher Empathie beim Hören von Audioinhalten. turi2.de

Digitales Nachrichtenmagazin „Kolumna“ bringt frischen Wind in Lindauer Lokaljournalismus

Die Journalistinnen Julia Baumann-Schier und Ronja Straub haben mit „Kolumna“ ein digitales Nachrichtenmagazin für Lindau ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Den Lokaljournalismus neu denken. Mit Pop-up-Redaktionen im ganzen Stadtgebiet suchen sie den direkten Austausch mit der Community. Besonders innovativ ist dabei der multimediale Ansatz von „Kolumna“: Neben schriftlichen Artikeln bietet das Magazin auch Audioinhalte an, etwa für Menschen, die während der Autofahrt informiert bleiben wollen. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Crowdfunding-Phase, doch schon jetzt zählt der Newsletter über 700 Abonnenten. Künftig soll „Kolumna“ täglich erscheinen und neben gut recherchierten Artikeln auch unabhängige Informationen und konstruktive Inhalte bieten. youtube.com

Funkes Lokalradios erweitern KI-Tool ad.creator um Display-Werbung

Die Funke-Tochter Westfunk hat ihr KI-basiertes Tool ad.creator weiterentwickelt: Neben der automatisierten Erstellung von Audiospots ermöglicht die neue Version nun auch die Produktion von Display-Werbung. Das Tool richtet sich vor allem an kleinere Unternehmen ohne eigene Marketingabteilung und wurde mit Unterstützung der Landesanstalt für Medien NRW im Rahmen des Media Innovation Förderprogramms umgesetzt. Werbekunden können auf der Website mit wenigen Angaben professionelle Audio- und Display-Anzeigen erstellen. Die KI liefert verschiedene Gestaltungsvorschläge, die im Anschluss von Funke Media Sales weiter optimiert werden.

„Mit der neuen Funktion bieten wir insbesondere kleineren Unternehmen eine einfache Möglichkeit, ihren Mediamix zu erweitern“, so Concetta Alba-Wrobel, Verkaufsleiterin Westfunk. Simone Jost-Westendorf von der Landesanstalt für Medien NRW hob die Bedeutung von KI als Schlüsseltechnologie für mediale Innovation hervor. funkemedien.de, wir-lieben-radiowerbung.de

Lokalzeitungen bleiben wichtigste Informationsquelle in Thüringen

Klassische Medien, insbesondere Lokalzeitungen, sind weiterhin die bedeutendste Quelle für lokale und regionale Informationen in Thüringen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Thüringer Landesmedienanstalt TLM. Social Media, Online-Portale und kommunale Amtsblätter könnten die Lokalberichterstattung in Zeitungen und Rundfunk nicht ersetzen, so die Studienautoren Prof. Dr. Lutz Hagen (TU Dresden), Jens Woelke und Peter Stawowy. „Eine Mehrheit der Thüringer Bevölkerung ist stark an lokalen Informationen interessiert und nutzt bevorzugt klassische Medien“, so Hagen.

TLM-Direktor Jochen Fasco hob die Bedeutung unabhängiger lokaler Qualitätsmedien für die demokratische Meinungsbildung hervor. Die Förderung dieser Medien müsse Priorität haben. Die Studie zeigt zudem, dass es in Thüringen keine Nachrichtenwüsten gibt, also keine Regionen ohne lokale Medienangebote. Allerdings kämpfen viele Medienanbieter mit sinkenden Einnahmen, planen dennoch den Ausbau ihrer Angebote. mmm.verdi.de

Genf plant Stiftung zur Förderung lokaler Medien

Ein Vorstoß im Genfer Grossen Rat fordert die Gründung einer „Genfer Stiftung für die Vielfalt der lokalen Medien“ mit einem Startkapital von 10 Millionen Franken. Ziel ist die Unterstützung unabhängiger Lokalmedien, insbesondere nach den jüngsten Umstrukturierungen bei Tamedia. Förderberechtigt wären unter anderem Le Courrier, Le Temps und Heidi.news – jedoch keine gebührenfinanzierten Medien oder solche, die Dividenden auszahlen.

Um politische Einflussnahme zu vermeiden, soll der Stiftungsrat aus Medienvertretern, Journalistenverbänden und per Los bestimmten Bürgern bestehen. Ein ähnlicher Vorstoß scheiterte 2017 an mangelnder Unterstützung der Rechten. Der neue Entwurf ist breiter gefasst, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Die Finanzierung würde vorwiegend aus Steuermitteln erfolgen, ergänzt durch Spenden und Beiträge der Gemeinden. Der Grosse Rat berät derzeit über das Projekt. persoenlich.com

Ex-„Bild“-Digitalchef Réné Bosch über digitalen Lokaljournalismus

In einem Kommentar für „meedia.de“ hat Ex-„Bild“-Digitalchef Réné Bosch Ansätze geteilt, wie Lokaljournalismus digital neu gedacht werden muss. Der Lokaljournalismus hat trotz wirtschaftlicher Herausforderungen nämlich weiterhin hohe Relevanz: 59 % der Deutschen halten lokale Nachrichten für die wichtigste Kategorie im Journalismus. Dennoch greifen viele Verlage zu digitalen Bezahlschranken, obwohl laut Umfragen nur 13 % der Nutzer für Nachrichten bezahlen würden. Stattdessen fordert Bosch den Aufbau starker Markenformate – von täglichen Podcasts über regionale Newsletter bis hin zu speziellen Nischenangeboten, die auch kleine, aber relevante Themen abdecken. Zudem kritisiert Bosch, dass die klassische Zeitungslogik im Internet Inhalte schnell verbergen und damit potenzielle Leser abschrecken. Auch die Analyse der bestehenden Leserschaft – vorwiegend älter – führt zu einem verzerrten Bild der Interessen. Redaktionen sollten künftig breitere Datenquellen einbeziehen, um auch neue Zielgruppen zu erreichen und das digitale Potenzial des Lokaljournalismus voll auszuschöpfen. meedia.de

Lösungsansätze für den Lokaljournalismus: Von News Deserts zu News-Oasen

Das Mediennetzwerk Bayern stellt innovative Konzepte vor, die den drohenden Medienmangel in ländlichen Regionen bekämpfen und den Zugang zu verlässlichen lokalen Nachrichten sichern sollen. Ein Ansatz sind hyperlokale Plattformen und spezialisierte Formate wie Podcasts, die regionale Themen ansprechend aufbereiten und so gezielt Vertrauen in der jeweiligen Community aufbauen. Verlage testen beispielsweise Pop-Up-Redaktionen – wie der Zeitungsverlag Waiblingen – um näher an ihre Leser zu rücken, digitale Angebote wie E-Paper zu erklären und neue Abonnenten zu gewinnen.

Ein weiterer Lösungsansatz ist der Einsatz moderner KI-Tools: So hat der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein KI-gestütztes Empfehlungssystem entwickelt, das individuelle Leseinteressen besser erkennt und somit eine um 80 Prozent höhere Click-Through-Rate erzielt. Ebenso setzen Medien wie die „Badische Zeitung“ auf KI-generierte Audioformate, um zusätzliche Reichweite zu generieren. Eine noch fortgeschrittene Technologie ist die agentische KI, die komplexe Aufgaben – etwa das automatisierte Durchsuchen und Zusammenfassen relevanter lokaler Inhalte – übernimmt. Dies erleichtert es Redaktionen, stets einen umfassenden Überblick über lokale Ereignisse zu behalten und diese in ansprechender Form aufzubereiten.

Darüber hinaus ermöglichen geostrategische Analysen, wie sie von der Nordwest Mediengruppe mit dem Tool GeoPilot durchgeführt werden, eine präzisere Ansprache von Werbekunden. Dadurch können Medienhäuser Streuverluste minimieren und zielgerichtete Werbekampagnen realisieren, die den lokalen Journalismus finanziell zusätzlich unterstützen. Diese vielfältigen, zukunftsweisenden Ansätze bieten Medienhäusern die Chance, das digitale Potenzial des Lokaljournalismus auszuschöpfen und News Deserts in News-Oasen zu verwandeln. mediennetzwerk-bayern.de

Lokaljournalismus unter Druck: Thüringer Studie warnt vor schwindender Medienvielfalt

Eine neue Studie der TU Dresden zeigt: Thüringen weist bislang noch keine „Nachrichtenwüsten“ auf – jede Stadt und jeder Landkreis hat mindestens eine lokale Tageszeitung. Dennoch schrumpft das Angebot: Die Vielfalt und lokale Relevanz nehmen ab, da viele Ausgaben auf größere Regionen zugeschnitten und gedruckte Versionen zunehmend ersetzt werden. Gleichzeitig verzeichnen alle lokalen Informationsanbieter rückläufige Einnahmen. Neben den klassischen Lokalzeitungen, die weiterhin führend in der Berichterstattung – besonders in der Politik – bleiben, gewinnen periphere Angebote wie Blogs, Social-Media-Profile, lokale Portale und sogar Lokalfernsehen an Bedeutung. Allerdings liefern diese Formate oft weniger gehaltvolle Informationen und können den hohen Qualitätsstandard der Lokalzeitungen nicht ersetzen. Die Forscher heben hervor, dass kein anderes Medium die Lokalpolitik so intensiv abbildet wie die Tageszeitungen. Doch nur ein Viertel der Bevölkerung nutzt sie noch regelmäßig, während jüngere Zielgruppen sich verstärkt alternativen Online-Angeboten zuwenden.

Als Lösung fordert die Studie die Förderung alternativer Informationsquellen, bessere Medienbildungsangebote und eine regelmäßige Qualitätskontrolle der Berichterstattung. Kritiker warnen jedoch davor, die Bedeutung klassischer Lokalzeitungen zu unterschätzen. Statt sie abzuschreiben, müsse die Politik Wege finden, sie zu stärken – etwa durch steuerliche Entlastungen oder gezielte Fördermaßnahmen. faz.net, tlm.de (PDF)

Schluss für die „Tegernseer Stimme“: Lokalzeitung stellt nach 14 Jahren Betrieb ein

Nach 14 Jahren investigativem Lokaljournalismus stellt die „Tegernseer Stimme“ ihren Betrieb ein. Die Online-Zeitung, die sich mit kritischen Berichten über Superreiche und Lokalpolitik im Tegernseer Tal einen Namen gemacht hatte, erreichte zeitweise bis zu 80.000 Leser täglich. Dennoch geht das Medium nicht aus finanziellen Gründen, sondern aufgrund von Personalmangel vom Netz.

Herausgeber Martin Calsow, bekannt für seine scharfen Kommentare gegen Lokalpolitiker, AfD-Funktionäre und die wohlhabenden Bewohner der Region, sieht die hohen Lebenshaltungskosten als Hauptgrund für das Aus. „Nur wenige können es sich leisten, am Tegernsee zu wohnen“, sagt Calsow. Trotz intensiver Suche und über 40 Bewerbungsgesprächen konnte kein geeignetes Redaktionsteam gefunden werden.

Die „Tegernseer Stimme“, 2010 vom Unternehmer Peter Posztos gegründet, verstand sich als Gegenpol zur als „oberflächlich“ empfundenen lokalen Konkurrenz. Unter Calsows Leitung polarisierte das Blatt mit ungeschönten Berichten über soziale Missstände, Bauprojekte und politische Verflechtungen. Diese Haltung brachte dem Team nicht nur Anerkennung, sondern auch Anfeindungen: Von Droh-E-Mails mit verstörenden Bildern bis hin zu einem Galgenstrick vor der Redaktionstür.

Trotz des Erfolgs im Jahr 2024, das gleichzeitig das beste Jahr der Zeitung war, ist nun Schluss. Calsow hebt die Bedeutung von kritischem Lokaljournalismus hervor, um Menschen nicht an radikale Chatgruppen und soziale Medien zu verlieren. Ob es in Zukunft ein Comeback geben wird, lässt er offen. sueddeutsche.de

Digitaler Fokus und neue Erzählformen im Lokaljournalismus

Das „Jeversche Wochenblatt beleuchtet“ analysiert, wie sich der Lokaljournalismus an veränderte Lesegewohnheiten und digitale Entwicklungen anpasst. Leser wünschen sich heute sowohl schnelle, kompakte Nachrichten als auch tiefgehende Analysen und Meinungsbeiträge. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, hat die Redaktion ihre Arbeitsweise grundlegend verändert und setzt verstärkt auf digitale Angebote wie ePaper, Podcasts und exklusive Online-Inhalte. Ein zentraler Treiber des Wandels ist die datenbasierte Analyse von Leseverhalten. Inhalte, die wenig Interesse wecken, werden entweder neu aufbereitet oder durch relevantere Themen ersetzt. Besonders gefragt sind exklusive Recherchen, Einordnungen und persönliche Geschichten aus der Region – Themen, die Print- und digitale Leser gleichermaßen ansprechen. Auch die Einbindung der Leserschaft spielt eine wichtige Rolle. Bei Formaten wie „Redaktion vor Ort“ erläutert das Team, wie Lokalberichterstattung heute funktioniert. Gleichzeitig können Leser selbst Beiträge und Fotos einreichen, die – wenn möglich – veröffentlicht werden.

Die Zukunft liegt klar im Digitalen: Die Reichweite wächst dank vielfältiger Online-Angebote, während die gedruckte Auflage wie bei anderen Zeitungen weiter sinkt. Junge Leser bevorzugen schnelle, digitale Formate wie Videos oder kurze Audio-Nachrichten, auf die die Redaktion reagiert. Mit dieser Entwicklung möchte das „Jeversche Wochenblatt“ nicht nur die Informationsversorgung in Friesland und Wilhelmshaven sicherstellen, sondern auch seine Rolle als unabhängige, qualitativ hochwertige Stimme der Region stärken. nwzonline.de

Haftung für Bürgerreporter: Landgericht Essen stärkt Verantwortung von Medienunternehmen

Das Landgericht Essen hat entschieden, dass Medienunternehmen für fehlerhafte Inhalte von „Bürgerreportern“ haften, die auf ihren Plattformen veröffentlicht werden. Im Fokus stand das Nachrichtenportal „Lokalkompass“ der Funke Medien NRW GmbH, das Artikel sowohl von professionellen Journalisten als auch von Bürgerreportern veröffentlicht. Ein Bürgerreporter hatte im Oktober 2024 in einem Beitrag einen Kommunalpolitiker unbegründet der Beihilfe zu Kindesmissbrauch bezichtigt. Obwohl der Beitrag nach einer Abmahnung gelöscht wurde, lehnte das Portal weitergehende Haftung ab. Das LG Essen entschied jedoch zugunsten des Betroffenen: Die Veröffentlichung verletzte dessen Persönlichkeitsrecht, da sie auf einer unwahren Tatsachenbehauptung beruhte und ohne Stellungnahme oder Beweise erfolgte.

Das Gericht stellte fest, dass der Portalbetreiber den Inhalt der Bürgerreporter-Beiträge als eigene Verantwortung darstellte. Weder die Plattform noch die Beiträge machten für Leser deutlich, dass sie von Laien stammen. Zudem nutzte das Medienunternehmen die Beiträge kommerziell, etwa in Anzeigenblättern, und beanspruchte umfassende Nutzungsrechte. Das Urteil fordert Medienunternehmen auf, klar zwischen professionellen und Laieninhalten zu unterscheiden, um rechtliche Risiken zu minimieren. lto.de