Pauline Tillmann macht Karla-Magazin neu

Foto: Helen Hecker
Das Karla-Magazin aus Konstant stellte Ende 2023 den Betrieb ein, die Finanzierung war weggebrochen und als Selbstausbeutungsprojekt wollten die Macher das Projekt – zurecht – nicht fortsetzen. Nun gibt es dank einer Förderung der Deutschen Postcode Lotterie die Rückkehr des Magazins, Pauline Tillmann übernimmt als Geschäftsführerin, Sophie Tichonenko übernimmt die Projektleitung der Bürger:innenredaktionen. Über die Pläne haben wir mit Pauline Tillmann gesprochen.

Rückblick auf 14 Jahre „Tegernseer Stimme“

Der Podcast „Tegernseer Stimme“ feiert seinen 14ten Geburtstag. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre, erzählt der Gründer Peter Posztos, dass die Idee zum Podcast aus dem Wunsch entstand, zu beweisen, dass Online-Journalismus funktionieren kann. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Bedarf an lokalen Medien gelang es, eine Lücke zu füllen und schnell auf die Bedürfnisse der Hörer einzugehen. Dabei liegt die Stärke der „Tegernseer Stimme“ vor allem in ihrer Schnelligkeit und der Fähigkeit, vor Ort zu sein, um über aktuelle Ereignisse zu berichten. Eines der Hauptziele war, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen und die „Käseglocke“ der Gemeinschaft zu öffnen, um frische Luft hereinzulassen. Trotz der zahlreichen Herausforderungen betont Posztos die Wichtigkeit der Distanz zu Politik und Unternehmen, um die Unabhängigkeit des Journalismus zu wahren. tegernseerstimme.de

Lokaljournalismus im Wandel: Wie vor allem das Radio von KI profitieren kann

Wenn über die Zukunft der Medienlandschaft diskutiert wird, steht meistens der Lokaljournalismus im Mittelpunkt. Grund dafür ist seine entscheidende Bedeutung für die Demokratie und der nachweisliche Rückgang der Wahlbeteiligung in Regionen mit schwindendem Lokaljournalismus. In einer Creative Session von „Mucbook“ mit Moderator Moritz Müllender, diskutierten Johannes Ott von Radio Gong 96.3, Jacqueline Hoffmann vom Mediennetzwerk Bayern, Klaus Kranewitter von der Mediaschool Bayern und Lukas Paetzmann von Articly darüber, wie der Lokaljournalismus von KI profitieren kann. Vor allem das Radio liege aktuell wieder im Trend, da es konstruktiven Journalismus fördere und eine emotionale Bindung zur Community aufbaue. Hier biete die Nutzung von KI vor allem Möglichkeiten zur Produktion von Nischeninhalten und gänzlich neuen Produkten. Wichtig sei, die Nutzung von KI transparent zu machen, um das Vertrauen der Nutzer nicht zu verlieren.

Der Lokaljournalismus habe viele Chancen, um mich auszusterben. Darunter die Förderung von Nachwuchstalenten, die sich mit KI auskennen, und die Zusammenarbeit mit anderen Redaktionen. Es sei wichtig, kreativ zu sein, verschiedene Ausspielungskanäle zu nutzen und stets auf aktuelle Themen einzugehen, um relevant zu bleiben. Vor allem Ott und Paetzmann sind der Meinung, dass der Lokaljournalismus weiterhin von großer Bedeutung sei und aktuell sogar im Trend liege. mediennetzwerk-bayern.de

Angriffe auf Journalisten steigen: Neue Studie warnt vor Selbstzensur im Lokaljournalismus

Die Zahl der physischen Angriffe auf Journalisten hat im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, so die neue Studie „Feindbild Journalist:in 8“ des European Centre for Press and Media Freedom. Während im Jahr 2022 noch 56 Fälle von physischen Angriffen auf Journalisten erhoben wurden, stieg diese Zahl im Jahr 2023 auf 69. Laut der Studie befinden sich die jährlichen Angriffszahlen seit vier Jahren auf einem hohen Niveau, wobei sich die Medienfeindlichkeit zunehmend verschärft. Insbesondere in Sachsen registrierte man einen Anstieg von Angriffen, der das Bundesland auf Platz eins der Angriffszahlen brachte.

Patrick Peltz, Co-Autor der Studie, warnt dabei vor einer beunruhigenden Entwicklung: Die Medienfeindlichkeit äußere sich nicht mehr nur in verbaler Kritik, sondern vermehrt auch in gewalttätigen Übergriffen. Im Lokaljournalismus ist die Anzahl physischer Angriffe im Vergleich zum Vorjahr zwar von zwölf auf sieben gesunken, dennoch sei die Lage für Lokaljournalisten besonders kritisch. Grund dafür ist vor allem die fehlende Anonymität: Einige der Lokaljournalisten, die 2023 von physischen und nicht-physischen Angriffen betroffen waren, waren bereits in der Vergangenheit bereits schonmal angegriffen worden. Es zeige sich also ein Sicherheitsproblem, was dazu führt, dass Lokaljournalisten, dazu tendieren, bestimmte Akteure oder Bewegungen nicht mehr zu thematisieren, um sich sicherer zu fühlen.

Trotz Maßnahmen zur Verbesserung des polizeilichen Medienschutzes und psychologischer Beratungsangebote bestehe weiterhin erheblicher Handlungsbedarf, so die Studie. Es sei wichtig, Journalisten besser zu schützen und Unterstützungsstrukturen auszubauen, um die Pressefreiheit in Deutschland zu wahren. ecpmf.eu, mdr.de

Online-Zeitung „Der Nordschleswiger“ erhält europäischen Preis für Lokalmedien

Der katalanische Medien-Dachverband AMIC hat erstmals den „International Award for Local Media“ verliehen und dabei die deutschsprachige Online-Zeitung „Der Nordschleswiger“ aus Dänemark in der Kategorie Europäische Union ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt die herausragende Arbeit von „Der Nordschleswiger“ und unterstreicht die Bedeutung des Lokalen in der Medienlandschaft. Chefredakteur Gwyn Nissen betonte bei der Preisverleihung in Barcelona die Chancen, die die Digitalisierung kleinen Medien bietet, und betonte die Wichtigkeit staatlicher Unterstützung für Minderheiten-Medien wie „Der Nordschleswiger“. Nissen zeigte sich sowohl stolz als auch dankbar für die Anerkennung und betonte die Notwendigkeit der digitalen Weiterentwicklung, um die Leser in der deutschen Minderheit in Dänemark und im deutsch-dänischen Grenzland zu erreichen.

AMIC vergab neben dem europäischen Preis auch einen internationalen Preis an die lokale Onlineplattform „Outlier Media“ aus Detroit in den USA und einen katalonischen Preis an die „Revista Cambrils“. drehscheibe.org, nordschleswiger.dk

Journalismus als Partner in der lokalen Entwicklung

Die digitale Transformation hat den Lokaljournalismus grundlegend verändert, wobei traditionelle Printmedien durch Online-Inhalte abgelöst wurden. Auch von lokale Medienhäuser wird immer häufiger erwartet, sich mit innovativen Technologien, wie Apps, Podcasts und interaktiven Inhalten anzupassen, um eine breitere Leserschaft anzusprechen. Trotz des Mythos vom Aussterben des Lokaljournalismus bleibt er unverzichtbar für die Gemeinschaft, da er lokale Geschichten und Identitäten bewahrt. Auch die finanziellen Herausforderungen können durch neue Geschäftsmodelle wie digitale Abonnements und Crowdfunding angegangen werden. Für die Zukunft des Lokaljournalismus wird insbesondere Technologien wie Augmented Reality und KI eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Nicht zuletzt durch verstärktes Community-Engagement fungiert der Lokaljournalismus nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Partner in der lokalen Entwicklung. flash-up.com

Landesmedienanstalten rügen Google wegen Verstoßes gegen Medienstaatsvertrag

Die Landesmedienanstalten haben eine offizielle Rüge gegen Google wegen eines Verstoßes gegen den Medienstaatsvertrag ausgesprochen. Dies erfolgte aufgrund der Feststellung, dass Google mit seinem Programm „Google News Showcase“ einem Verlag aufgrund angeblich zu geringer Reichweite die Teilnahme am Programm verweigerte. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten bemängelte, dass die aktuelle Ausgestaltung des Reichweitenkriteriums kleinen und neuen Marktteilnehmern keine realistische Chance bietet, am „Google News Showcase“ teilzunehmen. Insbesondere in einer Phase, in der diese auf den Zuwachs von Nutzern angewiesen seien, erschwere dieses Vorgehen die Vielfalt im Markt, da es die Entstehung neuer Meinungen behindere. Google wurde angewiesen, innerhalb von drei Monaten den Verstoß gegen den Medienstaatsvertrag zu beheben. „Google News Showcase“ bietet eine Auswahl von Artikeln von Presseverlagen an, die am Programm teilnehmen. Diese Auswahl wurde bereits zuvor als wettbewerbswidrig kritisiert. dwdl.de, die-medienanstalten.de, faz.net

„karla Magazin“ wagt Neuanfang mit Pauline Tillmann an der Spitze

Nachdem das Magazin „karla“ aus Konstanz im vergangenen Jahr eingestellt werden musste, wird nun ein Neuanfang gewagt. Die Rückkehr wird durch eine Förderung der Deutschen Postcode Lotterie ermöglicht. Dabei soll Pauline Tillmann die Geschäftsführung übernehmen und sich um den neu geschaffenen Werkzeugkasten kümmern. Dieser dient dazu in Kooperation mit der Journalisten-Vereinigung „Netzwerk Recherche“ das gesammelte Wissen mit anderen Medien-Startups zu teilen. Die freie Journalistin Sophie Tichonenko ist wiederum für die Projektleitung der neugegründeten „Büger:innenredaktion“ verantwortlich. Nach eigenen Angaben steht der Relaunch der karla-Webseite unmittelbar bevor. Die Inhalte sollen bis Ende 2024 ohne Paywall oder Abo frei verfügbar sein.

Bereits 2021 wollte Gründer und Redaktionsleiter Michael Lünstroth mit dem „karla Magazin“ liefern, was mittlerweile immer mehr im Lokaljournalismus fehlte: kritische Berichterstattung, Hintergrundberichterstattung und investigative Recherchen. Da es dafür durch Einsparungen seitens der Verlage meistens an Seiten und Personal fehlt, sind solche Angebote immer weniger in Lokalzeitungen zu finden. Mit der Motivation, den Lokaljournalismus besser zu machen, tat Lünstroth sich mit Gleichgesinnten zusammen und startete ein Crowdfunding, mit dem insgesamt ein Startkapital von 100.000 Euro zusammenkam. Thematisch fokussierte sich die „karla“-Redaktion auf Schulen, Kinderbetreuung oder die Nachbarschaft zur Schweiz und lieferte Hintergrundinformationen anstatt schnelle Nachrichten. Das Magazin sollte frei und unabhängig von Werbung funktionieren. Dazu musste es sich über Abos finanzieren und hoffte zusätzlich auf Spenden. Besonders Stiftungen zögern allerdings, ihr Geld in den Journalismus zu investieren, da Gemeinnützigkeit und Journalismus bislang nicht so recht zusammen zu passen zu scheinen. Schlussendlich ging dem „karla Magazin“ 2023 das Geld aus. Aus Lünstroths Sicht hätte das Magazin im Jahr 2025 allerdings genug Abonnenten gehabt, um sich auch ohne Stiftungsgelder selbst zu finanzieren. newsroom.de, journalist.de

Simone Lange gründet neue Lokalzeitung in Flensburg

Mit dem Auflagenrückgang von Lokalzeitungen und Schließungen ganzer Redaktionen sind Neugründungen besonders selten geworden. Dennoch hat die ehemalige Oberbürgermeisterin von Flensburg Simone Lange diesen Schritt gewagt. Gemeinsam mit ihrem fünfköpfigen Redaktionsteam berichtet sie in einer Wochenzeitung über das Geschehen in der nördlichsten Stadt Deutschlands. Dazu hat sie die Wirklich Verlag GmbH mit eigenem Kapital gegründet. In Flensburg gab es zuvor bereits die Wochenzeitungen „Moin Moin“ und „Palette Nordfriesland“, die allerdings Anfang vergangenen Jahres eingestellt wurden. Die dadurch entstandene Lücke will Lange nun wieder schließen und die lokale Berichterstattung des noch verbliebenen „Flensburger Tageblatt“ erweitern sowie vertiefen. Dabei sei es nicht ihre Motivation, ein politischer Gegenpol zu sein, sondern durch Medienvielfalt zu einer gut funktionierenden Demokratie beizutragen. Auch die wachsenden Erfolge der AfD in Regionen ohne vielfältige Lokalmedien seien eine Motivation. Bislang sei Flensburg zwar eine weitgehend AfD-freie Zone, sollte es allerdings doch irgendwann zu einem Wählerzuwachs in der Stadt kommen, würde Lange dagegen ankämpfen. Dass umfassende Lokalberichterstattung beim Wahlverhalten der Bürger einen Unterschied macht, wurde zuletzt durch eine wissenschaftliche Studie von Maxim Flößer bewiesen. Die ergänzende Wochenzeitung von Lange kann sowohl als E-Paper als auch in gedruckter Form erworben werden. Die meisten wählen allerdings die Print-Ausgabe. Insgesamt stimme die Entwicklung der Auflage die Verlegerin optimistisch. demo-online.de

Forschungsprojekt Christopher Buschow und Maike Suhr untersucht zukünftige Arbeitsweisen im Journalismus

Der Journalismus befindet sich im ständigen Wandel, nicht zuletzt aufgrund der Digitalisierung. Prof. Dr. Christopher Buschow und Maike Suhr von der Hamburg Media School und der Bauhaus-Universität Weimar leiten nun ein Forschungsprojekt, das die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter untersucht. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, konzentriert sich das Projekt darauf, wie sich Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse in Redaktionen verändern und welche Organisationsformen der digitale Verlag des 21. Jahrhunderts benötigt.
Dazu haben die Forscher tiefgehende Fallstudien zu 11 Neugründungen im deutschsprachigen Raum durchgeführt, um Einblicke in mögliche Entwicklungspfade von journalistischer Arbeit und Zusammenarbeit zu gewinnen. Sie identifizierten dabei „good practices“ von New Work im Journalismus. Erste empirische Ergebnisse wurden kürzlich auf der 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft präsentiert und diskutiert. Das Projekt wurde im Rahmen der Sachbeihilfe „Neue Formen der organisierten Zusammenarbeit im Journalismus“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.
hamburgmediaschool.com

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