Sicherheitsleute begleiten Journalisten der „Thüringer Allgemeine“

Dass Angriffe auf Journalisten zunehmen ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr. Jan Hollitzer, Chefredakteur der „Thüringer Allgemeine“ TA, hat daraus nun Konsequenzen gezogen. Wenn seine Reporter auf Termine oder ins Feld geschickt werden gibt es klare Regeln, um die Sicherheit der Journalisten zu gewährleisten. Bei Demonstrationen werden beispielsweise Sicherheitsleute mitgeschickt. Grundsätzlich sollen die Journalisten immer mindestens zu zweit unterwegs sein und sich im Vorhinein bei der Polizei anmelden, anstatt erst auf sich aufmerksam zu machen, wenn etwas passiert ist. Die TA steht dabei in enger Absprache mit der Polizei, was mittlerweile auch sehr gut funktioniere, so Hollitzer. Außerdem müsse man sich bei Demonstrationen immer die Frage stellen, ob eine Berichterstattung notwendig und sinnvoll ist. Insbesondere kleinen Veranstaltungen bei denen abstruse Ideen propagiert werden, wolle man keine Plattform und noch mehr Reichweite liefern. Um nach wie vor möglichst viele Menschen mit qualitativ hochwertiger Berichterstattung zu erreichen, will die TA zudem Kommunikationsräume schaffen. Sie haben beispielsweise eine Ringvorlesung in Kooperation mit dem Thüringer Landtag an der Universität Erfurt. Jedes Semester werden drei bis vier Vorlesungen angeboten, wo 200 bis 300 Leser kommen und schwierige Themen wie der Ukraine-Krieg zunächst von Experten präsentiert werden. Anschließend wird mit dem Publikum diskutiert. Diese Veranstaltungen finden laut Hollitzer großen Anklang. Im Digitalen brauche wiederum es vor allem neue Formate, um Leute zu erreichen, die nicht zur Zeitung greifen oder den öffentlich Rechtlichen konsumieren. drehscheibe.org

KI-Reporter bei den Ruhrnachrichten im Einsatz

Chefredakteur Jens Ostrowski von den „Ruhrnachrichten“ ist überzeugt: KI hat das Potenzial, den Lokaljournalismus erheblich zu verbessern. Bereits im November letzten Jahres wurde deswegen erstmals ein KI-Reporter in einer Redaktion eingesetzt. Dabei handelt es sich nicht um einen Roboter, sondern um einen menschlichen Reporter dessen Aufgabe es ist, Inhalte mithilfe von KI zu produzieren. Seit März sitzt nun in jeder Redaktion ein KI-Reporter und schreibt anstatt der üblichen zwei Texte pro Tag das Drei- bis Fünffache. Somit hat die Einführung von KI-Reportern zu großen Zeiteinsparungen geführt. Das übrige Personal kann so effizienter eingesetzt werden.

Die Einsatzfelder der KI sind dabei vielfältig: Von der klassischen Textoptimierung durch Rechtschreibprüfung über die Generierung von Überschriften und Teasertexten bis hin zum schnellen Zugriff auf Archivmaterial. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Letzterem. Die KI-Reporter sind immer in den Redaktionskonferenzen dabei und überlegen, wie aktuelle Themen durch KI-Inhalte flankiert werden können. So wird eine Polizeimeldung über einen Einbruch beispielsweise durch Statistiken zu Einbrüchen in der Vergangenheit und Tipps, wie man sich gegen Einbrüche schützt, ergänzt. Die zusätzlichen Inhalte werden mittels KI generiert. Diese greift auf das Archiv zurück und erstellt Übersichten, Chronologien sowie Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Quellen. Die Ruhrnachrichten nutzen dafür eine eigene Surface namens Kira, die mit ChatGPT verknüpft ist. Der Vorteil liegt darin, dass bereits Templates von wiederkehrenden Use-Cases hinterlegt sind und die optimierten Prompts immer wieder aufgerufen werden können. Der Vorteil der KI-Nutzung liegt neben der Zeitersparnis auch darin, dass die Inhalte sowohl online als auch im Print funktionieren.

Natürlich gibt es auch Risiken. Es ist nichts Neues, dass KI auch halluziniert und falsche Informationen ergänzt. Damit haben die „Ruhrnachrichten“ laut Ostrowski allerdings wenig Probleme, da sie lediglich auf Material aus dem Archiv zugreifen und die KI nur mit diesem arbeiten soll. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass das Archivmaterial nachwievor aktuell ist und sich so keine Fehler einschleichen. Somit wird jeder Text noch einmal gründlich geprüft und die Endverantwortung bleibt bei dem zuständigen KI-Reporter. Bei den „Ruhrnachrichten“ gibt es außerdem strikte Richtlinien, keine Bilder mit KI zu generieren, da gerade diese für die lokale Nähe und Glaubwürdigkeit problematisch sein können. drehscheibe.org

Native Advertising optimiert Online-Werbemöglichkeiten im Lokaljournalismus

Werbung ja, Unterbrechung des Leseflusses nein, das versprechen unter anderem Native Advertising Plattformen wie zum Beispiel das bislang größte führende Werbenetzwerk „Taboola“, alternativ „Outbrain“, „trbo“ oder andere. Die von ihnen maßgeschneiderte Werbung, sogenannte Native ads, passt sich automatisch optisch an das Umfeld an, in das sie platziert wird. Dadurch sehen die Einspielungen aus wie reguläre Inhalte der Seite und sind nur durch einen kleinen Hinweis wie „Anzeige“ oder „sponsored“ gekennzeichnet. Sie bieten Publishern die Möglichkeit, bezahlte Inhalte, ohne die in der Regel kein Anbieter auskommt, weniger auffällig oder störend in die redaktionelle Inhalte ihrer Website oder Plattform zu integrieren. Dies soll dabei helfen, Inhalte zu monetarisieren, neue Zielgruppen zu erreichen und das Nutzererlebnis durch personalisierte Werbebotschaften zu optimieren.

Für die Native ads stellen Publisher lediglich Flächen auf ihrer Homepage zur Verfügung. Die Werbenetzwerke füllen diese Flächen dann mit einem Feed aus weiterführenden Werbeanzeigen, die in Boxen angeordnet sind. Dadurch wird das in den sozialen Netzwerken gelernte Scroll-Format nicht unterbrochen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt beispielsweise das süddeutsche Online-Nachrichtenformat ludwigsburg24.com, auf deren Plattform sich das Format der Nachrichten-Teaser nachweislich nur wenig von den Anzeigen unterscheidet.

Grundsätzlich sind bei Native Ads verschiedene Formate wie bezahlte Artikel, Videos, Bilder oder Social Media Posts möglich, die den regulären Inhalten nachempfunden sind. Diese werden durch Targeting-Mechanismen an die Interessen der Zielgruppe angepasst und erhalten im Vergleich zur klassischen Bannerwerbung oft höhere Klickraten. Im Gegensatz zu aufdringlichen Bannern oder Pop-ups wirken Native Ads natürlicher und der Charakter bzw. die Optik einer Website bleibt stärker erhalten. Allerdings besteht durch diese Werbeform die Gefahr, dass Nutzer sich getäuscht fühlen, wenn die Werbebotschaft nicht klar gekennzeichnet ist oder der Nachrichtenumgebung zu sehr ähnelt. Daher ist Transparenz das wichtigste Kriterium für vertrauenswürdiges und erfolgreiches Native Advertising.

Michele Pinto über die Entwicklung der Zeitungsgruppe Vivere und die Zukunft des lokalen Journalismus

Michele Pinto, ein führender Vertreter der Zeitungsgruppe Vivere, diskutierte in einem Interview auf „Rai Radio 1“ die Entwicklungen und Anpassungen, die Vivere seit seiner Gründung im Jahr 2003 in Senigallia vorgenommen hat, um in der sich ständig wandelnden Medienlandschaft relevant zu bleiben.

Pinto erläuterte, dass Vivere frühzeitig auf digitale Plattformen setzte, um ihre Reichweite zu vergrößern. Durch den Einsatz von SEO konnten sie ihre Inhalte besser auffindbar machen und somit ein größeres Publikum erreichen. Diese digitalen Initiativen sind entscheidend für den Erfolg in einer Zeit, in der Printmedien zunehmend an Bedeutung verlieren. Vivere hat außerdem soziale Medien intensiv genutzt, um mit ihren Lesern in Kontakt zu treten und ihre Inhalte zu verbreiten. Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram dienen dabei nicht nur als Verbreitungskanäle, sondern auch als Feedbackmechanismen, durch die sie direktes Leserfeedback erhalten und in ihre Arbeit integrieren können. Ein weiterer bedeutender Schritt war die Integration von KI-Technologien. Pinto hob hervor, wie KI verwendet wird, um repetitive Aufgaben zu automatisieren, wodurch Journalisten mehr Zeit für tiefere und investigativere Berichterstattung haben. KI hilft auch bei der Personalisierung von Nachrichtenfeeds, was die Leserbindung stärkt.

Angesichts des Rückgangs traditioneller Werbeeinnahmen und Printauflagen hat Vivere neue Einnahmemodelle entwickelt. Dazu gehören Abonnements und Mitgliedschaftsprogramme, die den Lesern exklusiven Zugang zu Inhalten bieten und die finanzielle Stabilität des Verlags sichern. Pinto betonte dabei auch die Bedeutung von Teamwork und das Engagement der Mitarbeiter bei Vivere. Durch regelmäßige Integration von Leserfeedback und gemeinschaftliche Anstrengungen stellt Vivere sicher, dass ihre Inhalte relevant und ansprechend bleiben.

Pinto diskutierte auch die fortlaufenden Herausforderungen, denen sich der Lokaljournalismus gegenüber sieht. Die Sicherstellung von Genauigkeit und die Bekämpfung von Fehlinformationen sind weiterhin zentrale Anliegen. Dennoch bleibt Pinto optimistisch und betonte, dass die kontinuierliche Anpassung und Innovation unerlässlich sind, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein. Vivere bleibt bestrebt, qualitativ hochwertige lokale Berichterstattung zu liefern und die Gemeinschaften, denen sie dienen, gut zu informieren. elblog.pl

Massen-Upload nicht nur für die Massenmedien – Bundesarchiv bietet über Wikimedia Commons digitalen Zugang zu mehr als 100.000 frei zugänglichen historischen Bildern

Weit mehr als 13 Millionen digitalisierte Bilder, Luftbilder und Plakate zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts schlummern im Bundesarchiv. Mehr als 100.000 Bilder zu historischen relevanten Themen und Personen sind seit einigen Jahren nicht nur einen Klick entfernt, sondern in weiten Teilen sogar kostenlos verfügbar. Dank jahrelanger Fleißarbeit wurden sie erst im Bundesarchiv digitalisiert und dann in Wikimedia Commons, einem Schwesternprojekt der Online-Enzyklopädie Wikipedia, kategorisiert. Das Ergebnis ist eine mögliche Bildrecherche nach Motiv, Jahreszahl, Namen der abgebildeten Menschen oder des Fotografen, nach Format oder dem für Medienschaffende so wichtigen Filter „kostenfreie Aufnahme“.

All diese Fotos sind nicht nur eine wertvolle Ressource für Historiker, sondern vor allem auch für alle Journalisten, durch die die Bilder eine breite Öffentlichkeit erlangen. Insbesondere für Lokaljournalisten bieten sie damit eine großartige Quelle, um ihren Leserinnen und Lesern Geschichten in ihrem unmittelbaren Umfeld damals und heute auch bildlich näher zu bringen. Ob Aufnahmen vom Besuch des Königs von Afghanistan vor dem Brandenburger Tor 1928, von den Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in Potsdam 1966 oder von Olaf Scholz mit dem ukrainischen Präsidenten im Bundestag 2024, jeder noch so kurze Text kann Dank der Datenbank mit oft mehr als nur einem Fotodokument die informative und bekräftigende Aussage eines Bildes nutzen.

Hintergrund dieser wertvollen Archivs ist übrigens eine öffentlich-private Kooperation, der 2008 (so schrieb damals die taz in ihrer Dezember-Ausgabe) „eine Vorbildfunktion zukommen könne“. Damals spendete das deutsche Bundesarchiv mit Sitz im Koblenz Wikimedia Commons 100.000 digitalisierte Fotografien. Wikimedia Commons wird als Online-Medienbibliothek von der Wikimedia Foundation betrieben. Ihr Hauptziel ist es, Medieninhalte unter freien Lizenzen zu sammeln und zu zugänglich zu machen – übrigens auch Fotografien, Zeichnungen, Gemälde, Karten, Audio- und Videoaufnahmen. Sie können frei verwendet, bearbeitet und weiterverbreitet werden, solange die Urheber korrekt angegeben werden. Besonders wertvoll ist dabei auch die Verknüpfung der gezeigten Personen mit der deutschen Wikipedia-Personendatenbank. Damit stellt dieser Massen-Upload einen doppelt wertvollen Beitrag dar: zentrale Verfügbarkeit historischer Fotos in freien Lizenzen und gleichzeitig verlässliches Bildmaterial samt weiterführenden Informationen für die breite Öffentlichkeit.

Mit Bildern Geschichten erzählen – so wichtig ist Fotografie im Lokaljournalismus

Erst kommt das Bild, dann die Lektüre. Wenn es früher noch hieß „Wer schreibt, der beliebt“, so müsste es heute heißen „Wer gut fotografiert, reüssiert“. Visuell gut aufbereitete Texte erhalten grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit. Gerade für One-Wo*Man-Journalisten heißt diese Erkenntnis: Neben Recherche, Interview und Schreiben braucht es eine große Portion Zeit vor Ort für das Fotografieren und am Schreibtisch für Bildauswahl und -bearbeitung.

Dank Smartphone ist zwar die Hemmschwelle beim Fotografieren technisch und künstlerisch gesunken. Nebenbei sind Fotos ebenso wie Bewegtbilder ein willkommenes Nebenprodukt für die zeitnahe und selbstverständlich gewordene Verwendung auf Social Media-Kanälen, Kürzen und Bearbeiten erfolgen dank diverser Tools und Apps schnell und intuitiv. Gleichzeitig ist der Anspruch an Bilder, die aussagekräftig sind und emotional mitnehmen, durch die permanente Bilderflut und die zunehmende Existenz KI-generierter Bilder gestiegen. Das bedeutet, dass die Bilder einer Digitalkamera immer vorzuziehen sind, da die Qualität von Handy-Bildern oft (noch) nicht ausreichend ist. Vor einem Ortstermin lohnt sich außerdem nicht nur ein prüfender Blick auf den Ladezustand der Batterie, sondern auch auf den Speicherchip. Gerade Vielfotografierer müssen da aufpassen!

Vor Ort müssen Ohr und Linse eines Journalisten gleichermaßen sensibel sein, d.h., es darf niemand fotografiert werden, der zuvor nicht gefragt worden ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht wahllos drauflos zu knipsen, sondern je nach Thema des Textes oder Interviews das Motiv oder die Gruppe von Menschen analog zum geplantem Textinhalt auszuwählen. Vielleicht bietet sich auf ein interessanter Blickwinkel oder eine ungewöhnliche Aufstellung an. Grundsätzlich bringt eine große Bildauswahl garantiert ein besseres Ergebnis. Nicht vergessen: Vor- und Zunamen aller aufgenommenen Personen in der richtigen Reihenfolge notieren und die Schreibweise unbedingt von ihnen überprüfen lassen, das spart im Nachhinein Zeit und Ärger. Technisch unbedingt die Lichtverhältnisse, das benötigte Bildformat sowie Hintergrund und Umgebung des Motivs kritisch beachten und einen ausreichend großen Rand um den gewünschten Bildausschnitt wählen. Last but not least: Sofort prüfen, ob die Aufnahmen scharf genug sind (sonst wiederholen) sowie eine Bildbreite von mind. 2000 Pixel und das Dateiformat .jpg beachten.

Zurück am Schreibtisch ist das wichtigste Auswahlkriterium bei der Sichtung der Bilder, den Textinhalt im Bild wiederzugeben (also keine sog. Text-Bild-Schere), die im Text beschriebenen Personen abzubilden und die ansprechendsten, also emotional stärksten Fotos zu wählen. Danach heißt es starke Aufnahmen mit Copyright versehen und strukturiert archivieren, schwache vom Speicherchip löschen und die Batterie für den nächsten Einsatz sofort wieder aufladen.

Digitale Innovationen revolutionieren lokalen Journalismus: Die Erfolgsgeschichte der „Rheda-Wiedenbrück App“

Die „Rheda-Wiedenbrück App“ hat sich als wegweisendes Beispiel für die Transformation lokaler Medien in die digitale Ära etabliert. Nicht nur als Informationsmedium für die rund 50.000 Einwohner der Stadt, sondern auch als herausragendes Stadtmagazin einer Mittelstadt in Deutschland wird sie gefeiert. Dank innovativer digitaler Technologien bietet die App relevante regionale Inhalte in Echtzeit und geht dabei über traditionelle Formate hinaus.

Hinter diesem Vorstoß steht „Lokalpioniere“, ein Unternehmen aus Bielefeld, das lokale Medien in die digitale Zukunft führt. Alexander Martinschledde, Geschäftsführer von „Lokalpioniere“, betont die erfolgreiche Umsetzung der Transformation lokaler Medien in verschiedenen Städten Deutschlands. Zusammen mit Michael Fritzsch hat das Unternehmen ein Modell der Smart City geschaffen, das die Stärken traditioneller Medien nutzt und durch digitale Technologien ergänzt.

Die „Rheda-Wiedenbrück App“ spiegelt die Dynamik und Vielfalt der Stadt wider und hat durchweg positives Feedback erhalten. Dies bestätigt, dass der digitale Weg der richtige ist, um den Herausforderungen in der heutigen Medienlandschaft gerecht zu werden und lokale Medien dauerhaft zu stärken. In einer Zeit, in der viele lokale Zeitungen und Magazine mit rückläufigen Leserzahlen zu kämpfen haben, zeigt Rheda-Wiedenbrück, dass durch Innovation und Engagement eine neue Ära des Lokaljournalismus eingeläutet werden kann. ad-hoc-news.de

Warum wir den Lokaljournalismus brauchen – Christopher Buschow im „Entscheider-Podcast“

Christopher Buschow, Professor für Digitalen Journalismus, warnt im „Ent­scheider-Podcast“ von Lars Haider vor den Konsequenzen des Verschwindens des Lokaljournalismus: „Wenn der Lokaljournalismus verloren geht, bekommen wir Probleme mit der Demokratie“, betont er. Was Buschow Sorgen bereitet sind vor allem der Anstieg der Korruption und der Rückgang der Wahlbeteiligung aufgrund fehlender lokaler Presse. Lars Haider argumentiert, dass die Papierzeitung zwar nicht vollständig verschwinden wird, aber Print-Journalismus teuer ist. Er veranschaulicht dies am Beispiel des „Abendblatts“, das jährlich 55 Millionen Euro einsparen würde, wenn es auf den Druck verzichten würde. Haider gibt wiederum den positiven Ausblick, dass die Digitalerlöse bereits jetzt die Redaktion der Zeitung vollständig finanzieren können. turi2.de, open.spotify.com

Forum Lokaljournalismus 2024: Studierende präsentieren Thesen für die Zukunft

Rund 150 Journalisten kamen in Ingolstadt zusammen, um drei Tage lang über die Zukunft des Lokaljournalismus zu diskutieren. Den Rahmen dafür bot das Forum Lokaljournalismus 2024, das in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt organisiert wurde. Insbesondere die Verwendung und das Potential von KI stand an den drei Tagen im Mittelpunkt. Vertreter verschiedener Verlage berichteten über ihre Erfahrung mit KI und Lokaljournalisten diskutierten über den Einsatz von KI im Journalismus, Ethik und Regulierung.

Neben KI wurde auch über die Zukunft des Lokaljournalismus im Allgemeinen geredet. Dazu stellten Studierende der Universität Eichstätt gemeinsam mit ihrem Professor für Journalistik Klaus Meier sieben Thesen auf. Sophie Hepach regte dabei zum konstruktiven Journalismus an, der die Leserschaft mit Lösungen inspiriert, nicht nur Probleme aufzeigt und zum Bezahlen animiert. Außerdem sei der Lokaljournalismus im Lokalen unverzichtbar, da er laut Luis Beyerbach eine kritische Instanz darstelle und eine wichtige Rolle in der Demokratie stelle. Für die Zukunft des Lokaljournalismus hob Johanna Bernklau zudem die Wichtigkeit flexibler Arbeitsstrukturen hervor, um den Nachwuchs zu fördern. Zudem sei der Austausch mit der Leserschaft entscheidend, um das Vertrauen in das Medien zu stärken und somit langfristig eine Community aufbauen zu können. Insgesamt müsse natürlich auch die Online-Präsenz der Lokalmedien vorangetrieben werden, um auch für jüngere Zielgruppen attraktiv zu sein. Professor Meier betonte zudem die Wichtigkeit, den Unterscheid zwischen journalistischen und nicht-journalistischen Inhalten klar zu machen. Redaktionen müssen die Unabhängigkeit bewahren und die Vielfalt der Interessen sichtbar machen. Die Diskussion verdeutlichte den Wunsch der Studierenden nach einem zukunftsfähigen Lokaljournalismus, der sich durch Konstruktivität, Interaktivität und Digitalisierung auszeichnet. donaukurier.de, blog.drehscheibe.org

US-Lokalzeitung „The Pilot“: Ein Erfolgsmodell inmitten des Zeitungsrückgangs

Der Rückgang von lokaljournalistischer Berichterstattung und Print-Angeboten ist sowohl in Deutschland als auch in den USA ein Problem. In letzterem sprechen Studien immer wieder von Nachrichtenwüsten und Geisterzeitungen. Die Lokalzeitung „The Pilot“ aus North Carolina zeigt allerdings nun, wie guter Lokaljournalismus erfolgreich funktionieren kann. David Woronoff, Herausgeber von „The Pilot“, und sein Team sind fester Bestandteil des örtlichen Lebens und nahe an den rund 17000 Bürgern von Southern Pines. Das Erfolgsrezept der Zeitung besteht dabei nicht nur aus der lokalen Berichterstattung sondern auch aus den lokalen Anzeigen, die das Blumengeschäft im Ort und die Restaurants bewerben.

Besonders innovativ ist die Erweiterung des Angebots durch ein jährlich erscheinendes Hochglanzmagazin names „The Best of the Pines“. Hier können die Leser über einen Zeitraum von drei Monaten die besten Dienstleistungen in der Gegend wählen. Das führt dazu, dass die Dienstleister eifrig Anzeigen schalten. Auch nicht lokale Unternehmen, wie Großbanken oder Krankenhäuser, inserieren, da das kostenlose Magazin von Vielen als Leitfaden aufbewahrt wird. Der Vorteil: Das Magazin dient sowohl als Einnahmequelle als auch als Interaktionsmöglichkeit mit der Leserschaft. Chefredakteur John Nagy sieht das Magazin dabei weniger als großen Journalismus, sondern vielmehr als Finanzierungsmöglichkeit für den wirklichen Journalismus.

Insgesamt beschäftigt „The Pilot“ elf Journalisten und veröffentlicht sowohl online als auch im Print mit einer Auflage von 9000. Die Lokalzeitung erscheint zweimal wöchentlich, kostet mittwochs einen Dollar und sonntags 1,50 Dollar. In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurde „The Pilot“ von der National Newspaper Association zur besten „Community Newspaper in Amerika“ gewählt. Laut Journalismus-Professorin Penelope Muse Abernathy müsse eine gute Lokalzeitung vor allem für die Bevölkerung bezahlbar sein, auf die lokalen Bedürfnisse und Erwartungen eingehen und auf innovative Weise Einkommen generieren. All das wird durch die Redaktion von „The Pilot“ täglich aufs Neue realisiert. sueddeutsche.de, thepilot.com

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